[Rezension] Des Menschen Furcht












Preis: € 15.- [D]


Seitenanzahl:544


Reihe: /

Verlag: Heyne


Meine Wertung: ✰✰




Deutschland im ausgehenden 16. Jahrhundert: Immer noch steht Europa im Zeichen des finsteren Mittelalters. Aus der Gegend um Köln dringt beunruhigende Kunde. In Bedburg wird ein gewisser Peter Stumpf, genannt Stubbe-Peter, angeklagt, an die 70 Menschen ermordet zu haben. Der Advokat Paulus Melchior soll zusammen mit einem fanatischen Inquisitor den Prozess leiten. Ihm zur Seite steht sein Adlatus William, der sich dem illustren Zug gen Bedburg anschließt und in das faszinierende Panorama einer Welt eintritt, wie wir sie nicht mehr kennen …

Meinung

Als großer Fan von Büchern die historische Stoffe mit Kriminalfällen verweben, war ich sofort neugierig auf des Menschen Furcht. Autor Neil  MacKay hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Prozess um den ersten Serienkiller Peter Stumpf, in einen Roman umzuwandeln. 

Der Verlag wirbt dafür mit der Überschrift "das Epos um den berüchtigsten Mörder des Mittelalters" hinten auf dem Cover ist der Satz zu finden "Es war einmal vor langer, finsterer Zeit"
Eine höchst einladende Prämisse, für Menschen wie mich, die es gern finster haben und eigentlich bietet der Stoff dieses Buches die perfekte Grundlage für einen echten Pageturner. 

Leider schafft es der Autor aber nicht, das auch umzusetzen, denn das Buch leidet an all den Kinderkrankheiten, die das Genre "historischer Roman" so zu bieten hat. 

Schon der Prolog nimmt massig Spannung heraus. Ich weiß nicht, was Autoren dieser Romane sich immer denken, aber wenn der Prolog schon damit anfängt, dass der uralte Protagonist sein Leben aufschreiben will (und ungefähr jeder dritte Histo fängt so an, dass irgend ein alter Sabbel seine Feder in die Tinte tunkt und jetzt endlich sein Geständnis ablegen will) dann rolle ich, als versierte Leserin schon auf Seite 10 mit den Augen, weil ich weiß: Ob Werwolf oder Serienkiller, der Protagonist wird es überleben, und zwar so unbeschadet, dass er mit 80! immer noch fit und rüstig in seiner Kate hockt und Memoiren schreibt. 

Der Plot selbst hätte spannend sein können, doch der Autor verwendet zu wenig Zeit auf den eigentlichen Fall (der ja wirklich interessant ist) sondern kümmert sich viel mehr um das "außenrum" und vergeudet Seiten um Seiten mit unwichtigen Dingen, wenn er z.B. zwei ganze Kapitel (4+5) braucht, um uns die Lebensgeschichte einer Nebenfigur bis ins kleinste Detail zu erzählen. Das waren glat mal +/- zwanzig Seiten. Das eherne Schriftstellergesetz "zeigen nicht beschreiben" zählt hier scheinbar nicht und ich habe mich dabei ertappt, dass ich solche und ähnlichen Abschnitte nur noch quer gelesen habe. So etwas nimmt einfach die Spannung und den Fluss aus einem Text.

Die Figur des Peter Stumpf ist an sich großartig. Ich dachte immer an eine Art historischen Hannibal Lecter, aber MacKay nutzt das nicht richtig, um aus dem irgendwie vor sich hindümpelnden Plot etwas richtig geniales zu machen.

Das Buch hat düstere, böse, finstere Seiten, ja, und dafür bekommt es auch zwei Sterne, von mir. Ich hab lange gehadert, das Buch so schlecht zu bewerten, aber zwischen dem, was ich a) erwartet habe, und b) was möglich gewesen wäre, durch den Plot, die Figuren, die Konstellation und dem, was ich am Ende hatte, lag einfach eine zu große Diskrepanz.

Der Schreibstil an sich, ist nicht schlecht und auch über die Recherche kann ich nicht meckern. Es gibt - natürlich - blutige passagen, derbe Sprache usw. aber so etwas macht mir persönlich nicht wirklich was aus.

Eine Empfehlung?
Hm ... schwierig. Wenn ihr düstere Stoffe mögt und Sitzfleisch habt, dann ist das euer Buch. Wenn ihr eher auf einen Plot wie z.B. Markus Heitz Ritus sucht, dann nicht.


🌝🌝🌝

Danke an Heyne für das Lesexemplar

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