[Rezenion] der zweite Reiter












Preis: € 19.99 [D]


Seitenanzahl: 384


Reihe: August Emmeric #1

Verlag: Limes


Meine Wertung: ✰✰✰



Inhalt: 

Wien, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: Der Glanz der ehemaligen Weltmetropole ist Vergangenheit, die Stadt versinkt in Hunger und Elend. Polizeiagent August Emmerich, den ein Granatsplitter zum Invaliden gemacht hat, entdeckt die Leiche eines angeblichen Selbstmörders. Als erfahrener Ermittler traut er der Sache nicht über den Weg. Da er keine Beweise vorlegen kann und sein Vorgesetzter nicht an einen Mord glaubt, stellen er und sein junger Assistent selbst Nachforschungen an. Eine packende Jagd durch ein düsteres, von Nachkriegswehen geplagtes Wien beginnt, und bald schwebt Emmerich selbst in tödlicher Gefahr.

Meinung

Ich habe bekanntermaßen einen Schwäche für historische Krimis und die Beschreibung von Alex Beers Roman klang einfach zu gut. 

Wien 1919 ist wirklich ein elender Platz zum Leben. Der Krieg ist verloren und es fehlt praktisch an allem. Polizeiagent August Emmerich ist mit einem Granatsplitter im Bein aus dem Krieg zurückgekommen und hat jetzt die Aufgabe irgendwelche dubiosen Geschäftemacher hochzunehmen. Doch damit nicht genug, hat er auch noch einen neuen Kollegen - Winter - der ihm furchtba auf die Nerven geht und als wäre das alles nicht schon übel genug, stolpert er im Wienerwald auch noch über eine Leiche. 

Ja, die Prämisse des Buches klang super, leider muss ich sagen, dass Alex Beer sich bei ihrem Roman zu sehr auf die gängigen Klischees des Genres verlässt. Ich persönlich - als versierte Krimileserin - konnte nichts neues in den Figuren entdecken, was ich nicht schon in anderen Romanen gelesen hätte. 

August Emmerich ist einer von den bärbeißigen Kommisaren, die es mit dem Gesetz nicht immer so genau nehmen, die Lügen, Bestechen, sich durch die Gegend prügeln und auch mal fünfe Grade sein lassen. Natürlich hat der gute August auch ein Problem mit Drogen (Heroin von BAYER) und einem Feierabendschnaps oder Bier oder beidem ist er auch nicht abgeneigt, sein Privatleben ist eine Katastrophe und sein Vorgesetzter ein richtiges Ekel. 
Das kommt euch bekannt vor? Ja, mir auch. 

Auch sein Kollege Winter ist ein tiefer Griff in die Klischeekiste. Er ist "der Neue" natürlich unerfahren und noch nicht abgehärtet, bildet er den noch von Moral verseuchten Gegenpart zu Emmerich. Der Junge kotzt beim Anblick von Leichen, ihm ist ständig übel, er hat ständig Einwände und tut auch sonst sein Bestes immer und überall einfach im Weg herumzustehen, bis er praktischerweise für den Plot sich dann doch als nützlich erweist. 

Der Plot ist solide, aber auch hier, nichts wirklich neues. Zu oft spielt Gevatter Zufall einfach eine zu wichtige Rolle. z.B. Wacht Protagonist Emmerich - nach einer Sauftour - im Krankenhaus auf . Zum Glück muss man sagen, denn genau in dem Moment, als er von dort flüchten will, wird ein neues Opfer des Killers eingeliefert, das er sonst nicht gefunden hätte. Vieles an der Geschichte, läuft einfach zu einfach und sowas mag ich nicht. 
Noch dazu benutzt es die Autorin, um ihren Protagonisten einfach "zu cool" zu machen, wenn Emmerich z.B. in ein Lokal spaziert, sich als "Lebensmittelkontrolleur" ausgibt um ein Schnitzel zu schnorren, dann - und ich weiß nicht wieso - es macht ihn mir zutiefst unsymphatisch, weil es ihn einfach überzeichnet. Ich weiß, was die Intention der Autorin war, eine abgebrühte, kalte Hundeschnauze von einem Kommisar erschaffen, bei mir hat es aber nicht so gezündet. 

Was gut ist, ist die Recherchearbeit und das Lokalkollorit. Man wird praktisch ins Wien von 1919 gebeamt und ist da. Das ist ein sehr großes Plustpunkt dieses Buches. 
Die Sprache ist mitunter derb und es geht dreckig zu. Das mag ich und auch dafür bekommt die Autorin beide Daumen nach oben von mir, weil sie einen Roman geschrieben hat, der auch beim männlichen Publikum ankommen kann. 

Abschließend kann ich sagen, dass der zweite Reiter ein gutes Buch war, das aber leider wenig neues für den versierten Krimileser zu bieten hat. 

Empfehlen würde ich es den Fans von Volker Kutschers Gereon Rath Romanen. 
 
 

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