[Rezension] Die Eispiraten












Preis: € 11,-[D]


Seitenanzahl: 479


Reihe: /

Verlag: Bastei Lübbe


Meine Wertung: ✰✰✰✰



Inhalt:

Mittelmeer, A.D. 828. Der Wikinger Alrik und seine Mannschaft gehen einem rasanten Geschäft nach: Sie schaffen Schiffsladungen voll Eis vom Ätna an die Adria. Noch schneller als die Eispiraten ist nur ihr Ruf – und der erreicht den Dogen von Venedig. Von ihm erhalten sie den Auftrag, die Gebeine des heiligen Markus aus Alexandria herauszuschmuggeln und in die Lagunenstadt zu bringen. Doch ein Heiliger ist weit schwieriger zu beschaffen als Eis von einem Vulkan ...


Meinung

Ich hatte die Eispiraten - das neue Buch von Dirk Husemann - seit ein paar Monaten auf dem Schirm. Der Klappentext verspricht einen Abenteuerroman voller Action, Spannung, Thempo und natürlich Wikingern. 
Ich gebe es ja zu, dass ich eine wirkliche Schwäche für die pragmatischen Nordmänner habe, und die Eispiraten war ein wirklich großartiges Buch, das alles hat, was ein mitreisender historischer Roman braucht. 

Es geht um Alrik, einem Wikinger, der aus seiner Heimat fliehen musste, und nun seinen Lebensunterhalt damit verdient, Eis vom Ätna nach Ravenna zu schaffen. Sein Schiff, die Visundur, ist das schnellste im gesamten Mare Nostrum und das zieht die Aufmerksamkeit der Venezier auf sich. 
Denn Venedig ist im 9. Jahrhundert noch längst nicht der schillernde, imens reiche Stadtsaat, der es in ein paar Jahrhunderten sein wird, sondern eine Stadt, die erst  noch im Entstehen ist und von allen Seiten bedrängt wird. Der Doge ist ein schwacher Mann, und es muss etwas her, das seine Macht sichert. Also verspricht Matelda, die schöne eigensinnige Tochter des Dogen, dem Volk einen Heiligen. Und nicht irgendeinen, nein, der Stadtgründer höchst selbst wird es sein. Der heilige Markus, dessen Gebeine derweil in Alexandria ruhen, sollen zurückgebracht werden. 
Das Problem daran? Alexandria wird von den Arabern besetzt, und die wollen den toten Heiligen natürlich nicht einfach so rausrücken, also muss man ihn stehlen, und dafür braucht man eine Mannschaft auf Teufelskerlen und das schnellste Schiff das man kriegen kann. 

Ich habe einen rasanten Abenteuerroman erwartet und genau das hat Dirk Huseman auch geliefert, eine ordentliche Portion Humor gab es noch obendrauf. Ich mochte es, wie der Autor die verschiedenen Handlungsstränge zu einem actionreichen Plot verwoben hat und ich bin praktisch durch das Buch geflogen. 

Für mich als Leserin, sind die Figuren natürlich noch wichtiger als der Plot und Dirk Husemann hat in dem Buch ein paar wirklich unterhaltsame Protagonisten erschaffen. 

Da wäre zunächst mal Alrik, den ich von Seite eins an mochte. Er ist ein großer Kämpfer und ein großer Seemann und Odin sei mein Zeuge, ich mag seine pragmatische Art an Dinge heranzugehen. Natürlich, wenn man ihn reizt, kann man sich warm anziehen, aber alles in allem, ist Alrik ein abgeklärter Wikinger, wie er im Buche steht. 

Sein Gegenstück ist Bonus. Bonus ist wirklich ein Bonus in der Geschichte, weil er ist immer am rumstänkern. Wenn er, zusammen mit seinem Zwillingsbruder, nicht gerade sinistere Pläne schmiedet, schreit er wütend rum, beschwert sich oder überlegt, wie er die Tochter des Dogen dazu bringt, seine Frau zu werden. Ja, ich weiß, Bonus ist kein Sympathieträger, aber er gibt dem Plot den nötigen Pfeffer, und ihr werdet es lieben ihn zu hassen, bis ihr ihn plötzlich mögt, was euch in die Verzweiflung treiben wird. 

Dann bleibt noch Matelda, oder wie ich sie nenne "der Grund warum das Buch keine fünf Sterne bekommt". 
Der Autor hat sie so angelegt, dass sie - wie viele weibliche Figuren in historischen Romanen - eigensinnig, stur, und ihrer Zeit voraus ist. Das ist ihm auch gelungen, aber hätte er sie dann nicht auch ein bisschen weniger nervtötend machen können? Matelda ist eine von den weiblichen Protagonistinnen, die in mir den Wunsch wecken, ins Buch zu klettern und sie zu würgen, bis sie blau anlaufen. 

Natürlich gibt es noch weitere POV Charaktere, aber das würde jetzt zu weit führen, die alle aufzulisten. Natürlich stürzt sich der Autor auch auf die üblichen Klischees, aber untersm Strich haben mir die Charaktere große Freude bereitet. 

Empfehlen würde ich das Buch jedem, der auf der Suche nach einem temporeichen Buch ist. Wikinger, Intriegen, Kämpfe und Nautik mag.

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