[Rezension] Krone und Feuer












Preis: € 12.99 [D]


Seitenanzahl: 640


Reihe: Fjordland Saga #1

Verlag: Ullstein


Meine Wertung: ✰✰



Inhalt: 

Norwegen, Ende des 9. Jahrhunderts: Das Land ist in einzelne Königreiche zersplittert. König kämpft gegen König, Nachbar gegen Nachbar. Seit dem Tod ihres Vaters haben Ragnvald und seine Schwester Svanhild nur ein Ziel: die Ländereien ihrer Familie zurückzuerobern. Ragnvald schließt sich dem Kriegszug des mächtigen Wikingerkönigs Harald an, der sich anschickt, das Land unter seiner Herrschaft zu vereinen. Ein erbitterter Kampf um die Krone entbrennt. Während Ragnvald in der Gunst Haralds steigt, bleibt Svanhild nichts als die Rolle einer politischen Schachfigur, durch deren Heirat neue Allianzen geschmiedet werden können. Ausgerechnet Ragnvalds Erzfeind bietet ihr die Freiheit, die sie sucht ...

Meinung: 

Bei Odin, ich liebe Wikingerbücher. 
Wikingerbücher liefern mir genau die Art von Spannung und Action, die ich bei historischen Romanen so liebe. Der Klappentext von Krone und Feuer versprach Schlachten, Intrigen und Ränkespiele. Und bestimmt würde sich auf den fast 700 Seiten auch jemand finden, der für mich "OOOOOODIN" oder "SCHIIIILDWALL" brüllt. 
Ja, ich liebe Wikingerromane, und deshalb fällt mir diese Rezension auch so schwer. 

Denn eigentlich hat das Buch die perfekte Ausgangslage, aber die Autorin nutzt das Material nur ungenügend, was aus dem Abenteuerroman, den ich mir erhofft hatte, über lange Strecken ein laues Lüftchen macht. 

Der Plot fängt sehr vielversprechend an. Ragnvald, wird von Solvi verraten, einfach abgestochen und vom Boot runter ins Meer geschmissen, dort soll er sterben. Aber unser Held überlebt und sinnt auf Rache. Okay, okay, vielleicht hab ich - mal wieder - zu viel erwartet, aber ich hatte halt nicht damit gerechnet, dass die ersten 25% des Buches, sich darum drehen, dass Rangvald versucht seine Rache auf dem Rechtsweg auszufechten. Nicht falsch verstehen, ich finde es toll, dass die Wikinger schon so ein modern anmutendes Rechtssystem hatten, wirklich. Aber der Plot tritt so unfassbar auf der Stelle, vorallem, weil die Autorin jedes Detail bis zum wahnsinnig werden wiederholt und immer wieder durchkaut.. Rangvald, läuft hier hin und dort hin, und drückt jedem eine Kassette, was passiert ist. Und jeder hat auch eine Meinung dazu, was unfassbar viel Seiten und Kapitel produziert, in denen gefühlt gar nix passiert. 

Noch dazu ist der Plot an so vielen Stellen, so verdammt unlogisch. Nehmen wir z.B. Solvi (den oben erwähnten Erzfeind) Er sticht Rangvald vor den Augen von dessen Kumpel ab und schmeißt ihn über Bord. Als sie dann aber anlanden, lässt Solvi den Kumpel einfach mal weggehen. Ich meine ... äh ... Hallo? Ist doch klar, dass der Kumpel erst mal zu Rangvalds Familie rennt und denen die Story brühwarm erzählt. Und diese "Schnitzer" ziehen sich einfach durch das gesamte Buch. 

Rangvald ist die ganze Zeit getrieben, vom Wunsch sein Erbe zurückzugewinnen. Das treibt ihn und die Geschichte zwar an, aber irgendwie hatte ich so das Gefühl, das Rangvald nie wirklich was unternimmt. Wenn er es dann versucht, funktioniert es nicht wirklich, was ihn zwar auf der einen Seite menschlich macht, auf der anderen ist es aber auch echt frustrierend. Noch dazu, ist er ein Protagonist, der sein Leben immer das mit den großen Sagas toter Helden vergleicht und einfach mal drauf hoft, das es bei ihm auch schon werden wird. 

Mit der zweiten Hauptfigur, Svanhild, hatte ich am Anfang Schwierigkeiten. Sie war einfach zum weglaufen. Stur, egoistisch, schnippisch und ich kam mir wirklich vor, wie in einer nicht enden wollenden Episode von GZSZ die Wikingeredition. Doch ich gebe zu, dass ich den Subplot zwischen ihr und Solvi als einen der besten Teile des Buchs wirklich gemocht habe, weil es endlich ein Hauch von dem Drama war, das ich mir ursprünglich erhofft hatte. 

Zum Schreibstil möchte ich anmerken, dass Linnea Hartsuyker eiskalt den ehernen Autorengrundsatz "Zeigen, nicht beschreiben" ignoriert. Ich kenne den Text ja nicht im Original und weiß nicht, ob es der Autorin oder der Übesetzung geschuldet ist, aber über weite Strecken, liest sich Krone und Feuer, wie ein erster Entwurf, dem es erheblich an Tiefe fehlt.
Die Geschichte ist da, aber sie fühlt sich roh an. Das selbe gilt für viele Dialoge, die sich für mich sehr gestelzt und hölzern angehört haben. 

Was ich der Übersetzung ankreide sind leidige Anachronismen, die den Lesefluss stören. Worte wie "Flirtversuch" gehören einfach nicht in einen Wikingerroman. Sorry, aber nein. Die Übersetzerin versucht zwar den Roman dem Sub-Genre gemäß zu übersetzen, also das ganze rau und dreckig klingen zu lassen, aber irgendwie will das Buch nicht so wirklich.

Das Fazit fällt so aus, dass die Story durchaus Potential hat, aber die Autorin ihre eigentlich gute Grundidee nicht voll ausschöpft und ihren Plot mit Infodumps und Wiederholungen aufbeläht.
Der Schreibstil hat mir nicht gefallen. 

Empfehlen kann ich das Buch Lesern mit viel Sitzfleisch und eher weiblichem Publikum, weil die Autorin eine ordentliche Brise weibliches Drama in den Text gestreut hat.

Kommentare

  1. Sehr schade. Dabei klingt der Klappentext so vielversprechend!
    Aber danke für die Warnung, ich hatte das Buch schon auf dem Schirm und vielleicht demnächst gekauft...

    LG

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    1. Danke für deinen Kommentar :)

      Wie immer empfehle ich: "Erst mal reinlesen", leider hat das Buch für mich einfach nicht funktioniert.

      lg
      nadine

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    2. Hab mir schon die Leseprobe geholt :) Nur ist sie auf der "Muss-ich-lesen"-Liste nichtmehr so weit oben ;) Da gibt es anderes das ich zuvor noch lesen werde.

      LG

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  2. Haha, eine sehr treffende Rezension und ich musste echt oft schmunzeln beim Lesen. Ich verlinke dich später bei der Rezension auf meinem Blog. Die Rezension darf wirklich niemand verpassen.

    LG, Moni

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