[Rezension] Tod einer Hofdame












Preis: € 14,90 [D]


Seitenanzahl:


Reihe:

Verlag: Amminianus


Meine Wertung: ✰✰



Inhalt

1193: Das Jahr, in dem Richard Löwenherz im Deutschen Reich gefangen gehalten wird: Es war still in Regensburg. Wie jede Nacht. Nur etwas war anders. Unter der Steinernen Brücke lag der Leichnam einer jungen Frau … Mord oder Selbstmord? Der Tod ihrer Schwester bringt Aleydis dazu, sich gegen alle Konventionen aufzulehnen. Doch wer glaubt schon einer Hofdame, die dem Bischof widerspricht? Verbissen versucht sie, auf eigene Faust zu beweisen, dass es kein Selbstmord war. Die Suche nach dem Täter führt sie zu Richard Löwenherz, der ihr seine Unterstützung anbietet. Doch Aleydis ist misstrauisch. Interessiert er sich wirklich für ihr Anliegen, oder will der König von England nur die leeren Tage seiner zermürbenden Ehrenhaft füllen? Hin- und hergerissen zwischen Wahrheit und Lügen übersieht sie den Schatten, der ihr unbemerkt folgt …

Meinung

Ich mag Krimis und historische Romane, kann ich beides zusammen haben, um so besser.  
Tod einer Hofdame klang nach einem spannenden Mittelalterkrimi. Nach einer Hofdame, die wider Willen ermitteln muss, weil ihre Schwester involviert ist, und im Ernst, man hätte aus der Grundidee eine spannende Geschichte machen können, leider ist der Plot von Isabella Benz so abstrus, dass ich am Ende nur noch frustiert war. 

Da ist zum einen die weibliche Hauptfigur. 
Aleydis von Tettingen. 
Auch nach dreihundert Seiten kann ich nicht sagen, was für eine Art Heldin Aleydis darstellen soll, denn sie stolpert recht ziel- und planlos durch den Plot. Es gibt bei ihrer Figur einfach eine zu große Diskrepanz, zwischen dem, was Aleydis über sich sagt, und dem, was sie tut.

Zwar erklärt sie uns zu Anfang, dass sie anders ist, als andere Hofdamen, und ihre Meinung immer recht frei vertritt, allerdings sehen wir das nicht. Nach Innen mag Aleydis ein Maul wie ein Schwert haben, aber das sarkastische kommt in ihrer Figur nicht an. Sie hält große, innere Monologe, die aber mit der Zeit ermüdend werden, weil sie im krassen Gegensatz zu Aleydis Figur stehen. 
Würde sie das Aussprechen, was sie denkt, wäre sie eine viel bessere, lebendigere Figur geworden. 
Stattdessen wirkt das, wenn sie etwas sagt oder besser gesagt faucht oder zicht immer schnippisch und hysterisch. 

Aleydis behauptet auch den ganzen Plot über, dass sie den Mörder ihrer Schwester fangen will. Aber sie tut nichts dafür. Denn Aleydis ermittelt nicht. Sie verlässt sich vollkommen auf Richard Plantagenets Meinung, dass "der Mörder sich selbst entlarvt" was nach eine Weile ziemlich an meinen Nerven gezerrt hat. 
Noch dazu ist Aleydis, selbst wenn sie mal eine Spur von Ermittlungseifer zeigt und eine Beobachtung macht, nicht in der Lage diese logisch zu analysieren und Rückschlüsse daraus zu ziehen. Alles bleibt an Richard hängen, was ich - als emanzipierte Frau - nicht wirklich so großartig finde, wenn die Heldin des Buches für jeden Schritt genaue Anweisungen von einem Typen braucht, der - historisch betrachtet - nicht gerade der beste Stratege war. 
Noch dazu steht für Aleydis der Killer eh schon fest, sie lässt sich zu sehr von ihren Antipathien und Sympathien leiten, als dass sie das Geschehen objektiv betrachtet. Auch zeigt sie - gegen Ende des Buches - vollkommen hysterische Züge, als sie einfach alles und jeden des Mordes an ihrer Schwester bezichtigt.

Natürlich ist es legitim zu argumentieren, dass Mordaufklärung nicht zu den Tugenden eines Edelfräuleins gehört. Mag sein. Was an Aleydis Figur aber fehlt, ist eine Entwicklung. Davon ist im Buch nicht wirklich etwas zu spüren und Aleydis ist am Ende des Buches de facto die selbe Person, wie zu Beginn. 

Ich könnte eine solche Hauptfigur ja noch irendwie entschuldigen, wenn der Plot wenigstens gut wäre. Und der Kerngedanke ist ja nicht schlecht, leider ist die Umsetzung von Frau Benz zu abstrus, unlogisch und irgendwie am Thema vorbei. 

Ich persönlich mag Romane mit Kriminalfällen, wegen der Ermittlungen. Wegen der Spuren und der Indizien. Dem genauen hinsehen, den logischen Schlüssen, die sich am Ende zu einem Bild zusammensetzen und zum Mörder führen. 

Das alles findet hier so gut wie nie statt. Zumindest nicht in einer Form, in der ich es ernst nehmen könnte.
Die Autorin lässt ihre Protagonisten einfach nicht ermitteln und wenn sie es doch tun, und eine Szene mit einem Konflikt bahnt sich an, bricht die Geschichte ab. Und wir werden wieder mit einer Flut an Banalistäten und Aleydis inneren Monologen erschlagen. 
Selbst wenn die Figuren die Chance hätten kriminalistisch tätig zu werden, tun sie es nicht. 

z.B. wird eine Leiche gefunden. Aber anstatt sie nach Hinweisen auf den Täter zu untersuchen oder sie genau zu betrachten und daraus eventuell Rückschlüsse zu ziehen, lamentieren die aggierenden Personen lieber seitenweise herum. Es wird auch nie geklärt, ob und wann und wie die Leiche geborgen wurde. Was ein weiteres Manko des Buches ist. 

Die Autorin scheut Konflikte, was Schade ist, denn Konflikte machen einen Plot besser, wenn man weiß, wie man sie auflösen kann. 
Vieles an dem Plot wirkt einfach nicht richtig durchdacht und hätte vielleicht ein zwei weiterer kritischer Betaleser bedurft, die logische und inhaltliche Fehler zusammen mit der Autorin beheben. So liest sich - gerade der Schluss - eher wie ein kruder erster Entwurf und die Auflösung des Falls, ist auch eher schwach, weil es für mich keinen Sinn ergibt, warum ein Mörder jeden umbringt, außer die Person, auf die er echt Hass schiebt, obwohl er es mindestens zwei Dutzend mal ohne Not hätte tun können.

 Hinzu kommen noch Stilblüten wie "ihre Worte klangen wie eisige Pfeile" (Position 528), umgangssprachliche Formulierungen.

Wem würde ich das Buch empfehlen? Schwierig.
Mittelalterfans, die weibliche Hauptfiguren bevorzugen und nicht allzu kritisch lesen und über kleine Fehler hinwegsehen.

Kommentare

  1. Ich habe das Buch diese Woche erhalten und habe deine Rezi nur überflogen, weil ich im Voraus nicht zu viel über ein Buch wissen möchte. Schade, dass es dir nicht so gut gefallen hat. Da ich auch eine eher kritische Leserin bin, habe ich nun die Befürchtung, dass es mich auch nicht so begeistern könnte...

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    1. Hi,

      ich hoffe das Buch konnte dich - trotz meiner Rezension - begeistern.

      lg
      Nadine

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  2. Hallöchen :)

    Der Plot klang ja tatsächlich ganz gut, aber ich lese aus deiner Rezension heraus, dass mich diese Geschichte vermutlich genauso angenervt hätte wie dich. Ich hatte auch mal so einen Fall, ebenfalls ein historischer Krimi, wo der Buchhändler, der angeblich ermittelt, nur seiner Romanze nachgestalkt hat und eigentlich überhaupt nichts in Richtung Ermittlung ging... so was ist mega enttäuschend!
    Ich hoffe das nächste Buch ist wieder besser :)

    Liebe Grüße
    Ivy
    https://licentiapoeticae.blogspot.de/

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    1. Hi,

      ja ich hatte mir von dem Buch einfach mehr kriminalistische Ermittlungen gewünscht. Wenn die Hauptfigur wenigstens das getan hätte, dann hätte ich sogar über ihre anderen Fehler hinwegsehen können, weil sie es zumindest probiert hat.

      lg
      nadine

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