[Rezension] Grandhotel Angst












Preis: € 13,-[D]


Seitenanzahl: 320


Reihe: /

Verlag: Penguin


Meine Wertung: ✰✰



Inhalt

Italien, März 1899. Die junge Nell reist mit ihrem Mann Oliver an die ligurische Küste, um in Bordighera ihre Flitterwochen zu verbringen. Das Paar logiert im luxuriösen Grandhotel Angst. Nell ist von dem großartigen Gebäude, dem exotischen Hotelpark und dem Blick aufs funkelnde Meer fasziniert. Doch zu ihrer Überraschung kennt Oliver nicht nur bereits das Personal und einige Gäste, sie scheinen auch Geheimnisse zu teilen. Als ein Hotelgast überraschend verstirbt, beginnt Nell, nachzuforschen. Und stößt auf eine Geschichte von Schuld und Verrat – und auf eine unheimliche Legende, die sie in ihren Bann zieht. Bis sie plötzlich selbst im Verdacht steht, ein Verbrechen begangen zu haben ...

Meinung

Titel, Cover und Klappentext, mehr brauchte ich nicht, um zu wissen, dass ich dieses Buch unbedingt haben muss. Ich liebe Bücher, die in Hotels spielen. Das 19. Jahrhundert ist eins meiner Lieblingszeitreiseziele und dann ist da noch ein Kriminalfall und ein Geist.
In der Theorie hatte Grandhotel Angst alles, was ich mir von einem perfekten Buch wünsche.

Ich habe mich mit großer Freude auf die Geschichte um Nell gestürzt und es innerhalb von zwei Tagen gelesen. Das lag aber eher daran, dass es relativ kurz war, denn die Geschichte krankte gleich an mehreren Stellen.

Da wäre zum einen die Tatsache, dass ich immer noch nicht weiß, was für ein Buch Grandhotel Angst eingetlich sein soll. Der Klappentext liest sich so, als ginge es darin um die Aufklärung von Geheimnissen, um Verbrechen und alte, gruselige Legenden.
Aber dem ist nicht so.
Bis Seite 200 gibt es - von Nells Seite - so gut wie keine "Recherchen" über irgendwas. Emma Garnier legt vielmehr ihr Augenmerkt auf die pittoreske Beschreibung von Hoteleinrichtung, der Flora und Fauna Italiens und den Ausflügen, die das frischvermählte Paar in die Umgebung unternimmt. Gewürzt wird das ganze mit einer 0815 Legende über eine tote Frau, die angeblich in dem Hotel ihr Unwesen treiben soll, und wie Nell auf diese Geschichte anspringt und sich reinsteigert.

Womit wir beim größten Problem des Buches wären.
Nell.
Nell ist einfach eine von den Protagonistinnen, die mich konstant nur aufregen. Sie ist vollkommen unselbstständig, kindisch, dumm und hysterisch. Natürlich kann man argumentieren, dass Frauen im 19. Jahrhundet nicht gerade zur Selbständigkeit erzogen wurden, aber bei Gott, ich brauche wirklich keine Protagonistin, die vollkommen kopflos durch den Plot stolpert.

Nells Verhaltensmuster ist immer das Gleiche.
Etwas schlimmes passiert => Nell dreht total durch, wird hysterisch und flippt total aus. => jemand (ihr Ehemann, ihre Tante, ein Gärtner) kommen und sagten "Alles wird gut Nell" => Nell fällt darauf rein, gibt die Zügel ab, lässt andere alles für sich regeln und wendet sich wieder der pittoresken Pflanzenwelt, dem schönen Meer, dem blauen Himmel zu

Nell ermittelt auch nicht. Nein. Sie findet vielleicht hier und da zufällig einen Hinweis, aber zu den großen, lebensverändernten Erkenntnissen kommt sie ... durch Träume, Ahnungen, ihr Bauchgefühl und sorry, das kann ich nicht ernst nehmen.
Wenn sie an Tag 3 fest davon überzeugt ist, dass XY ein Mörder ist, und dann, nach einem Traum, aufwacht und einfach WEIß, dass es nicht so ist, weil sie einfach so eine innere Gewissheit hat.

Das schlimmste ist, der Plot unterstützt das auch noch. Alles was passiert, passiert so, dass Nell sich einfach treiben lassen kann und jeder immer zu ihr kommt, alle Steine für sie aus dem Weg räumt und sie einfach nur noch da sein muss, um sich alles mögliche anzuhören. 
Auch der Schluss ist wieder ein langer Monolog darüber, warum was wie passiert ist und setzt dem ganzen mit einem Deus Ex Machina Moment noch eine unschöne Krone auf, der mich - als Leserin - total frustriert zurücklies.

Man hat nie das Gefühl von Gefahr. Nie den Hauch von Grusel. Auch wenn es mitunter um Mord oder Geister geht. 
So wird z.B. ein Gast des Hotels am Anfang ermordet, aber bis auf ein wenig Getuschel im Foyer, hat dieser Mord einfach keinen Einfluss auf irgendwen in diesem Buch. Wäre eine Vase im Vestibül heruntergefallen, wären wir beim gleichen Ergebnis. 

Auch nachdem Nell schlimmes durchgemacht hat, fährt sie in der nächsten Szene mit Bekannten ins Casino nach Monte Carlo, für mich die unmöglichste Szene im ganzen Buch. Ich musste öfters mit den Augen rollen und mich fragen, ob die Autorin das ernst meint.

Zwar hat Emma Garnier einen sehr blumigen Schreibstil, der die Landschaft und die Schönheit Italiens perfekt einfängt, allerdings hätte sie sich mehr auf ihren eigentlichen Plot, ihre Figuren und die Konflikte konzetrieren sollen, als auf die Beschreibung von Blumen und Küstenstreifen. Denn wirkliche Spannung kam in dem Buch nie auf. Ich hatte ja auch große Hoffnungen in den "Geisterteil" der Geschichte, aber den hat die Autorin irgendwann auch einfach fallen gelassen, was sehr schade ist, denn daraus hätte man etwas machen können. 

Fazit: 

Empfehlen kann ich das Buch eher Lesern, die auf Cosy-Crime stehen oder einfach ein Buch haben wollen, mit schönen Umgebunsbeschreibungen. 
Crime und Grusel-Süchtigen eher nicht, denn ich war dann doch sehr enttäuscht von Emma Garniers erstem Buch. 

Schade.

Kommentare

  1. Ach Mensch, schade. Auf das Buch hatte ich mich richtig gefreut, aber du beschreibst genau die Dinge, die ich in Gruselbüchern nicht haben will. Danke für die tolle Rezi!

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  2. Ja, vielen Dank für die ausführliche Rezi. Wie immer deutlich und hilfreich. :-) Das Buch hatte ich auch noch im Hinterkopf, aber ich mag es leider gar nicht, wenn ich mich während des Lesens ständig über die Protagonisten ärgern/wundern muss. Klingt also, als wäre dieses Buch nicht für mich geschrieben worden.
    Schönes Wochenende

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