[Rezension] die Stadt des Zaren












Preis: € 20,-[D]


Seitenanzahl: 528


Reihe: /

Verlag: Ullstein


Meine Wertung: ✰✰✰



Inhalt: 

Zar Peter setzt im Mai 1703 an der Newa den ersten Spatenstich. Er will eine Stadt nach westlichem Vorbild bauen: Sankt Petersburg. Ein monumentales Vorhaben, das Aufstiegschancen und Abenteuer verheißt. Aus allen Himmelsrichtungen reisen die Menschen an: Graf Fjodor mit seiner intriganten Frau und ihrer Tochter, die sich nach dem Wunsch der Eltern mit dem Zaren verloben soll. Ein italienischer Architekt, der seine Geliebte in Florenz zurücklässt und von der Vergangenheit eingeholt wird. Der deutsche Arzt Dr. Albrecht mit seinen Töchtern. Während die Jüngere mit einem holländischen Tischlergesellen abenteuerlustig durch die Sumpflandschaft streift, verliert die Ältere ihr Herz an einen Mann, der zum Mörder wird. Langsam wächst eine Stadt heran, eine historische Meisterleistung, dem sumpfigen Grund abgerungen.

Meinung

Ich hatte mich auf "die Stadt des Zaren" wirklich gefreut. 
Peter der Große ist eine schillernde Figur in der Geschichte Russlands und ich war gespannt, wie Martina Sahler das Thema "die Entstehung einer Stadt" umsetzt. 

Ich gebe zu, dass das Buch und ich einen relativ schlechten Start hatten. 
Fr. Sahler wollte so viel Geschichte wie möglich in ihr Buch packen, allerdings geht das auf Kosten der Lesefreude, nun ja, zumindest bei mir. 
Ich bin immer dafür, dass ich etwas aus historischen Romanen lerne. Etwas über die Zeit, über die Bräuche, die Kultur oder auch mal unntüzes Wissen, mit dem man irgendwann bestimmt angeben kann. Aber, um einen historischen Roman genießen zu können, brauche ich auch gute Charaktere und einen Schreibstil, der mich regelrecht mit einem Katapult ins 18. Jahrhundert schleudert. 
Leider schwankt der Stil in diesem Buch immer zwischen "Fachtext" und "Erklärbär" hin und her, was es für mich sehr schwer machte, die eigentliche Geschichte zu genießen. 

Show dont tell ist ein wichtiger Grundsatz des Schreibens und in letzer Zeit erlebe ich es wieder oft, dass gerade Autoren des historischen Romans diesen ehernen Grundsatz mit Pauken und Trompeten einfach über Bord pfeffern. 
Ich weiß, Recherche ist aufwendig und anstregend, und wenn man den ganzen Kram schon zusammengetragen hat, dann soll er verflucht noch mal auch rein ins Buch, auch um dem Leser eine Basis zu schaffen, aber BITTE liebe Autoren, macht das IN der Story und nicht die Erklärungen als Abhandlung "Was bisher in Russland geschah" gleich am Anfang. Denn das Buch startet schon so, dass Zar Peter mit seinen Beratern am Ufer der Newa steht und schier endlos darüber geredet wird a) was er vor hat, b) wie, wo, wann und warum er dieses Gebiet den Finnen abgeluchst hat c) was er so alles in Europa gelernt hat. 
Wenn ein Buch so statisch anfängt, hält sich meine Begeisterung in engen Grenzen. 

Es wird auch nicht besser. Denn kurz danach lernen wir die Familie des Arztes Dr. Albrecht kennen. Auch hier werden wir mit Fakten über alles und jeden geradezu totgeschmissen. Anstatt an Beispielen zu zeigen, dass die eine Tochter zu schlau für ihre Zeit und die andere ein echtes Luder ist, werden wir - wie immer - mit Beschreibungen der Beiden überhäuft. 
Und so geht es immer weiter. Der Roman deckt gut zehn Jahre Entstehungsgeschichte ab. Es gibt Intrigen, Angriffe, Alianzen, all das was man sich wünschen kann, aber so richtig sprang der Funke nie über. 

Es ist natürlich immer die Frage, was man von einem historischen Roman erwartet.
Ich mag historische Romane in denen ich durch die Augen des Protagonisten eine längst vergangene Zeit sehe. Viele Rezensionen nennen das Buch "opulent" und "facettenreich" mein Adjektiv wäre eher "ausufernd", weil die Autorin den Figuren meist keinen Raum zum Atmen lässt, was schade ist, weil sie durchaus Potential hatten.

Fazit:

Für  mich ist Die Stadt des Zaren ein klassisches 3* Buch.
Es ist in Ordnung, aber nichts, was aus der Masse heraussticht oder mich durch seine Figuren oder seine Erzählweise gepackt hätte.

Das Thema ist interessant und die Handlungsstränge haben gute Ansätze, aber der Schreibstil hat, von meiner Warte her, viel dazu beigetragen, dass die Geschichte sich nicht wirklich entfahlten konnte und das Buch, über weite Strecken sehr zäh war.

Empfehlen kann ich es allen, die Plots lieben, die sich über eine lange Zeit erstrecken und es ist auch was für Schmökerleser. 
 

 

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