[Rezension] Zeitenwechsel











Preis: 0,99€[D]


Seitenanzahl: 140


Reihe: Oscar Wilde & Mycroft Holmes: Sonderermittler der Krone #1

Verlag: BeThrilled by Bastei Lübbe


Meine Wertung: ✰✰



Inhalt: 

Es wird behauptet, im Leben jedes Menschen gäbe es einige wenige Tage, die sein Leben grundliegend verändern können. Einen solchen erlebt der Schriftsteller Oscar Wilde im Frühjahr 1895. Ihm drohen eine Gefängnisstrafe und der persönliche Ruin. Doch dann bietet sich ein Ausweg aus seiner schwierigen Situation: Wenn er sich bereit erklärt, als Sonderermittler der Krone zu arbeiten, könne auf eine Haftstrafe verzichtet werden. Schweren Herzens nimmt Oscar Wilde die neue Aufgabe an. Bereits sein erster Fall entpuppt sich als ein wahrer Horrortrip, denn ein zu allem entschlossener Gegner versucht England und die Monarchie zu zerstören ...

Meinung: 

Ich bin, wenn es um historische Romane geht, relativ einfach einzufangen. Alles was ich brauche ist mein Typ im Kutschermantel auf dem Cover, England im ausgehenden 19. Jahrhundert und ein mysteriöser Kriminalfall und schon bin ich an Bord. 
Wenn dann noch berühmte historische und/oder fiktive Personen dabei sind, ist das sozusagen die Kirsche auf meinem Eis. 
Leider war "Zeitenwechsel" eher ein maues Lesevergnügen, das an vielen Stellen einfach zu große Defiziete hatte. 

Fangen wir bei dem an, was einem sofort ins Auge springt. Namedropping. Viele Autoren verwenden berühmte Persönlichkeiten oder fiktionale Charaktere anderer Autoren, um Leser dazu zu bringen, das Buch zu kaufen. Jeder mag Sherlock Holmes und es gibt viele gute Adaptionen des weltbekannten Dedektives, wie z.B. die Anna Kronberg Reihe von Annelie Wendeberg oder Dust & Shadow von Lyndsay Faye, um nur zwei zu nennen. 
Marc Freunds Versuch die Charaktere von Oscar Wilde und Microft Holmes zu zeichnen, ist - meiner Meinung nach - nicht wirklich gelungen. 

Der arme Oscar Wilde wird in diesem Buch mal wieder nur auf seine Homosexualität und Sex im Allgemeinen herunterreduziert und leidet unter dem, was Katharina vom Teesalon in diesem sehr lesenswerten Artikel über homosexuelle Charaktere im historischen Roman sehr gut auf den Punkt gebracht hat. Entweder wird Homosexualität  nicht erwähnt, oder sie wird, wie hier, überzeichnet. 

Mycroft Holmes ergeht es auch nicht besser, ist er doch nur Staffage und hat mit dem Charakter, den Sir Arthur Conan Doyle erschaffen hat, fast nur den Namen und die Leibesfülle gemein. Für mich sind sowohl Wilde, als auch Holmes nicht gut getroffen oder ausgearbeitet worden, sie dienen IMHO nur als Zugpferde, damit Leser das Buch kaufen, weil sie Sherlock Holmes oder die Bücher von Oscar Wilde mögen (so wie ich).  

Ich weiß, dass mehrere Rezensenten auf Amazon das gleiche angemerkt haben, und dass Fans des Autors da mit "künsterlicher Freiheit" gegenargumentieren, aber da muss ich sagen: Nein. Der Charakter muss erkennbar sein, sonst könnte man es auch Miller & Smith: Geheimagenten der Krone nennen, aus dem einen nen Fettwanst und aus dem anderen eine posierenden Sodomiten [sic]*1 machen und seiner Wege ziehen. 

Wäre es  nur die Überzeichnung von Wilde und die "Unterzeichnung" von Holmes gewesen, was mich an diesem Buch gestört hätte, wäre es nicht so schlimm gewesen. Allerdings trägt auch der Schreibstil des Autors nicht unbedingt zum Lesegenuss bei.

Ich habe mich nie wirklich in der Geschichte gefühlt, es gab nur diesen seltsamen übergeordneten Erzähler, der einem auf Distanz hielt, sodass sich die Handlung von Zeitenwechsel eher hinter einer Milchglasscheibe im anderen Raum abspielte. Noch dazu hat der Autor ein Faible für ausufernde Dialoge, die wohl die Wortgewandtheit von Holmes/Wilde demonstrieren sollten, aber dafür waren sie mir weder raffiniert noch eloquent genug. Vieles davon (besonders zu Beginn des Buches) ist einfach "Infodump" in Dialogform und mit der Zeit sehr ermüdend.
Insgesamt ist der Schreibstil noch sehr verbesserungswürdig, gerade was Lesefluss, Spannung und Atmosphäre betrifft. Denn ein Kriminalfall im London des 19. Jahrhunderts, braucht Atmosphäre, wie die Luft zum Atmen. Ich als Leser will und muss abgeholt werden, doch Zeitenwechsel bleibt, u.a. wegen dem Erzählstil, einfach hinter den Erwartungen zurück.

Fazit: 

Zwei der schillerndsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts und der Funke springt nicht über. Was unterm Strich bleibt ist ein relativ durchschnittlicher Kriminalfall, und die Aussicht auf fünf weitere Bände Holmes und Wilde, die ich nicht lesen werde. 

Schade, wieder eine Serie die auf dem Papier nach Potential klang, dieses dann aber nicht geliefert hat. 

*1 der posierende Sodomit ist eine Anspielung auf den Brief den John Sholto Douglas, 9 Marquess of Queensberry im Albermale Club für Oscar Wilde hinterlies und so den Skandal um dessen Homosexualität lostrat.


Kommentare

  1. Hallo Nadine,
    vielen Dank für Deine ehrliche Rezi. Das schätze ich sehr bei Bloggern :)
    Hoffe die nächste Geschichte, die Du in den Händen hältst, kann Dich wieder mehr begeistern.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende für Dich,
    Tanja

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  2. Sehr schöne Rezension! Ich hatte mal die Hörspielreihe auf Empfehlung angefangen, hatte aber genau dieselben Probleme wie du und habe die erste Folge dann auch gar nicht fertig gehört. Und natürlich danke für die Verlinkung! <3

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